~ MUSEUMSPROJEKTE ~

folgende Museumsprojekte sind mit Wollhex®-Brettchenborten ausgestattet:



Merowinger Prinzessin im Privat-Museum "Herrenhaus Burg Altendorf"

Die hier gezeigte Borte ist nach der Ärmelborte der Bathilde von Chelles (ca.) 680 n. Chr. gewoben. Als Material wurde hier pflanzengefärbte Wolle in dunkelblau - hellblau und weiss verwendet.

Bathilde war die Ehefrau des merowinger Königs Chlodewig. Politisch war sie sehr aktiv und eine bedeutende Frau ihrer Zeit. Sie beendet ihr Leben nach vielen Höhen und Tiefen als demütige Nonne im Kloster von Celles. 860 wurde sie von Papst Nikolaus I heilig gesprochen. Bathilde ist Schutzpatronin der Witwen, Kranken und Kinder.

Das Gewand wurde von Angharad Beyer mit Handnähten genäht.


2011: The Saxon Princess & The Princess Pendant

englischer Ausstellungsflyer als PDF (1,2MB)
Es gibt eine Geschichte zu diesen Bildern! Eine schöne Geschichte, die mir zwei wunderbare Dinge beschert hat: Eines war die Möglichkeit Borten für ein ganz besonderes Projekt in Großbritannien zu machen. Und das zweite, aber nicht weniger wichtigere ist der Kontakt und die Freundschaft mit Deborah Simmons, der begabten Schneiderin, die die Kleider für die angelsächsische Prinzessin gemacht!

Wer waren die Angel Sachsen? Die Kurz- fassung: nachdem die Römer ca. im 5. Jahrhundert Britannien verlassen haben, siedelte sich diese Volksgruppe in England an. Ein Teil, die Angeln, kamen aus Dänemark und Norddeutschland, die Sachsen kamen eben aus Sachsen (Deutschland). Diese Stämme mischten sich dann zu den Angelsachsen, die wiederum mischten sich mit den ansässigen Briten. Im 7. Jahrhundert haben die Angelsachsen dann große Teile von England besiedelt und uns ihre Spuren hinterlassen.

der Anhänger der Prinzessin (Replik)
Das Ausgrabungsfeld wurde bereits in 1979 das erste Mal auf neolitische Spuren (ca. 3300 BC) untersucht. Dem folgte eine nähere Begutachtung im Bezug auf Bronzezeitliche Ansiedlungen (ca. 2000 BC).
Zwischen 2005 und 2007 wurde weiter gegraben und geforscht und es kam ein Friedhof mit insgesamt 117 Bestattungen und 3 Brandbestattungen zum Vorschein! Dies ist nur ein ganz grober Abriss der Fundstätte. Stephen Sherlock hat einen wundervollen Ausstellungskatalog mit detaillierter Lage und Fundbeschreibung herausgebracht. Dort kann an alles auch über die anderen Grabfunde nachlesen.
Wichtig für uns ist das Grab Nr. 42 mit der Prinzessin:
den hohen Status der Beigesetzten an der zentralen Stelle unterstrich auch, dass sie in einem Bett begraben wurde, dass wohl auch schon zu ihren Lebzeiten in Gebrauch war. Dies lässt sich aus den Abnutzungsspuren an den noch vorhandenen Eisenteilen nachweisen. Der größte und beeindruckendste Fund war ein wundervoller und wertvoller Anhänger, daneben wurden auch andere aussergewöhnliche Schmuckstücke freigelegt. Der Anhänger jedoch gab der Ausstellung in Kirkleatham ihren Namen:

The Princess Pendant:

Die Ausgrabung wurden von Redcar Archäologe Stephen Sherlock geleitet und, zusammen mit Mitgliedern der Teesside Archäologischen Gesellschaft. Artefakte wurden geborgen, so atemberaubend schön, dass die Entscheidung getroffen wurde, eine Ausstellung, die die Funde entsprechend würdigt, in Angriff zu nehmen.
Davor wurden die Objekte als ‚Schatz’ erklärt - dem folgte eine Debatte im House of Commons, um den Ankauf zu gewährleisten. Die bezirke Redcar & Cleveland konnten dann mit Hilfe eines Heritage Lottery Fund den Kauf in die Wege geleitet. Mark Simmons legte das Grab frei und arbeitet zusammen mit Steve an der Identifikation der Funde.

Dem folgten dann mühsame Reinigungs- und Konservierungsarbeiten der wertvollen Artefakte und das Redcar & Cleveland Borough Council arrangiert die Ausstellung! Es wurde ein Film gedreht, der einen genaueren Einblick in das AngloSaxon Leben im 7. Jahrhundert zeigt und das Leben der Prinzessin zum Mittelpunkt hat.

Die Darstellerin der Saxon Princess mit Deborah der Schneiderin bei den Dreharbeiten

Hier kommen jetzt die Simmons ins Spiel: Deborah wurde gebeten, die Kleider für das Begräbnis der Prinzessin zu nähen. Und sie suchte dann Jemanden, der für sie die gewünschten Borten anfertigt. Nach vielen eingereichten Arbeitsproben der in- und ausländischen Mitbewerber wurden dann meine Arbeiten ausgewählt! So ist es mir eine besondere Ehre ein kleiner Teil dieses Projektes zu sein und auch Aufträge für Deborah ausführen zu dürfen. Für die Prinzessin habe ich sämtliche Borten am Gewand  und an den zwei Schleiern gewoben. Dazu einen aufwändigen Gürtel. Als Material für alle Borten wurde jeweils hochwertiges Leinengarn verwendet.

Auf dem Bild links sind die bortenbesetzten Schleier zu sehen. Genauere Informationen zur Ausstellung liefert das Buch "The Saxon Princess Exhibition Guidebook" von Stephen Sherlock, das hier erhältlich ist.

Alle Fotos in diesem Bericht sind freundlicherweise von Deborah und Mark Simmons zur Verfügung gestellt worden. Texte zu den Angelsachsen und der Ausgrabung wurden auf Grund der Angaben im Buch "The Saxon Princess Exhibition Guidebook" von Stephen Sherlock als Zusammenfassung von mir erstellt. Die Bilder aus dem Buch sind von Singe Vert photography and Media Arts.

UPDATE 23.8.2011: neue Bilder von Sonja beim Besuch des Kirkleatham Museums in England

 

2011: Gürtel und Gürtelzunge - Bamburgh Castle

Der erste schriftliche Hinweis auf diese Burg-Anlage stammt aus dem Jahre 570 und seitdem ist sie mit einer turbulenten Geschichte verbunden. Normannen, Angelsachsen und Wikinger haben unter anderem zu der bewegten Vergangenheit dieser Burg beigetragen. Für nähere Informationen siehe www.bamburghresearchproject.co.uk/

Durch Deborah Simmons bin ich auf die derzeit laufenden Ausgrabungen aufmerksam geworden und sie hat den Kontakt zu Graeme Young hergestellt, der derzeit das archäologische Forschungsprojekt leitet.

Besonders fasziniert hat mich unter den Fundbildern ein Artefakt, das vorläufig als "Textil Bearbeitungs-Werkzeug" bezeichnet wurde. Das hat mich natürlich sehr interessiert, zumal mich das Fundstück eher an eine Gürtelzunge (Gegenstück zur Gürtelschnalle) erinnert hat. So fing meine Suche nach einem passenden Gegenstück aus der Textilverarbeitung an. Ich hab mich dann auf internationaler Ebene mit anderen historischen Webern ausgetauscht. Aber auch da war niemandem ein entsprechendes Stück aus der Wollverarbeitung bekannt. So reifte in mir der Gedanke einen passenden Gürtel zu weben und mir einen talentierten Beinschnitzer zu suchen, der von dem Ausgrabungsfund eine Replik anfertigen kann.

Den habe ich dann in einem lokalen Beinschnitzer gefunden, der mir dann kunstfertig eine Gürtelzunge und eine passende Schnalle aus Knochen geschnitzt hat (die Gürtelschnalle wurde an der Ausgrabungsstelle nicht gefunden, aber von uns passend zur Gürtelzunge entworfen).

Der Ausgrabungsleiter Graeme Young war von dem Endergebnis sehr begeistert und schrieb mir:

"Hi Sonja
That looks very impressive and is certainly the most practical looking use I have seen so far for the object.

Best wishes Graeme"

 

2010: Der Fürst von Planig - Mainzer Landesmuseum

Bei Kanalarbeiten nahe der Römerstrasse und des Kastells Kreuznach im Jahre 1939 wurde das Grab des Fürsten von Planig entdeckt und geborgen. Es lag an der Kreuzung 2er wichtiger Römerhandelsrouten, der von Worms nach Bingen und der von Mainz nach Kreuznach.

Leider weiss man auch heute noch sehr wenig über diesen Franken, sein Alter oder seine Todesursache, denn Knochen sind leider nicht erhalten geblieben. Dafür wurden aber  außergewöhnlich prunkvolle Grabbeigaben geborgen, die teilweise auf weitreichende Handelsbeziehungen schließen lassen. Nicht zuletzt lässt dies auf eine hochgestellte Persönlichkeit schließen, sondern auch die mit römischen Schriftzeichen versehenen Sandsteinquader, die sein Grab bildeten.

2010 bekam der um 525 n. Chr. verstorbene Fürst ein rekonstruiertes Grab im neugebauten Teil des Mainzer Landesmuseums.

Für dieses Projekt habe ich die goldbroschierte Seidenborte nach Fragmenten des originalen Goldbroschierfadens gearbeitet. Dazu kamen die weitere Bortenausstattung des Fürsten, bestehend auspflanzengefärbten Woll-Wadenwickel und den Strumpfhaltern aus Leinengarn.

 

2009: Keltenpaar im Historischen Museum
der Pfalz Speyer

Im Jahr 2008 habe ich für eine Keltenausstellung in Speyer drei pflanzengefärbte Wollborten nach belegten Mustern gefertigt:

 

2008: Brettchenbortengürtel für das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen am Bodensee

Für das Pfahlbaumuseumin Unteruhldingen am Bodensee habe ich einen Brettchenbortengürtel angefertigt (Bild links entstand bei einem Besuch im Museum).